Ein Quartier der Zukunft

Wie werden die Menschen künftig in den Städten zusammenleben? Alt und jung, aus verschiedenen Kulturen und Nationen, wertschätzend, nachbarschaftlich, solidarisch? Es sind Herausforderungen. In Weinheim, ganz im Westen der Stadt, soll ein Areal in den nächsten Jahren so bebaut werden, dass es diese Herausforderungen erfüllt.

Als am Dienstag an der Kuhweid in Weinheim symbolisch die Kanten zum ersten Spatenstich in die Erde drangen, ging es zunächst einmal um den Neubau eines Kindergartens. Schon dies, wie Oberbürgermeister Manuel Just dabei betonte, ein enormer Kraftakt in der heutigen Zeit der kommunalen Finanzkrise.
Der Neubau ersetzt den Kindergarten, der wegen Setzrissen im Gebäude geschlossen und abgerissen werden musste. Vier Jahre lang, bis zur Fertigstellung des neuen Gebäudes in etwa einem Jahr, mussten die Kinder der städtischen KiTa Kuhweid dann auf Container ausweichen.
Aber die Entwicklung des Areals kann mehr: „Wir beginnen heute ein Zukunftsprojekt, das gleichzeitig eine Botschaft in sich trägt, wie wir uns in Weinheim die Stadt der Zukunft vorstellen“, beschrieb Oberbürgermeister Manuel Just beim ersten Spatenstich. Denn in einem Gebäudeensemble wird auch ein Mehrgenerationenhaus neu entstehen, mittelfristig sind auf dem Areal sozial ausgerichtete Wohngebäude vorgesehen. Miteinander auf Augenhöhe, integrierend, wertschätzend und einander befruchtend, generationsübergreifend und neugierig aufeinander, so stelle man sich die Stadtgesellschaft künftig an diesem Ort vor, so der OB. So sei die „Kita Kuhweid“, die in diesem neuen Zukunfts-Quartier als erstes gebaut wird, gleichsam nur ein Anfang eines sozialen städtebaulichen Gefüges sein, „das die Weststadt, ja ganz Weinheim aufwerten wird“.
 
Ein nachhaltiges Bauen
 
Die neue KiTa und das Mehrgenerationenhaus werden in Holzbauweise errichtet, wie Architekt Lars Reichart beschrieb. Das passe zu dem nachhaltigen Konzept, für Kinder, für eine positive Entwicklung und für die Zukunft zu bauen, so der Planer der AAG Architekten aus Heidelberg, die von der Stadt mit dem Projekt beauftragt worden sind. Das umweltfreundliche Bauen passe zur zukunftsgewandten Nutzung des Areals betonte er und zitierte die Pädagogin Maria Montessori mit dem Ausspruch: „Das Kind ist der Baumeister des Menschen.“ Besonderen Wert lege man auf die Akustik im Gebäude, die den Kindern auch Momente der Stille ermöglichen soll.

Wichtige Impulse durch den Gemeinderat
 
Just betonte, die Stadt Weinheim nehme in einer denkbar schwierigen Lage für dieses Projekt (mit Mehrgenerationenhaus) rund 17 Millionen Euro in die Hand, wohlgemerkt zu Zeiten, in denen Kommunen ihren Bürgerinnen und Bürger Sparprogramme vorlegen müssen, die von der Presse gerne „Liste der Grausamkeiten“ genannt werden. Just:  „Wahrlich ein Kraftakt und die größte Investition in Bildung und Betreuung seit der Zweiburgenschule. Das ist sehr mutig, und ich danke an dieser Stelle dem Gemeinderat für die nötigen Beschlüsse.“  Er erinnerte daran, dass Verwaltung und Gemeinderat genau das getan haben, was man Kommunen oft nicht zutraue. Der Rathauschef: „Wir haben größer gedacht, größer und im Zusammenhang. Auch hier hat der Gemeinderat wichtige Impulse gegeben. So ist diese Planung entstanden, die im Kontext der einzelnen Bausteine sinnvoll ist – und unterm Strich vielleicht sogar die wirtschaftlichste, die es an dieser Stelle geben kann.“  
Just bekannte, er finde es spannend, wie groß die gesellschaftliche Symbiose zwischen den ganz jungen Menschen dieser Stadt, den Jugendlichen, den Familien, den Gruppen und den älteren Herrschaften sein wird, die hier alle ihren Platz haben; dazu kulturell divers, wofür dieser Teil der Weststadt eben auch stehe. Er verhehlte nicht, dass es lange gedauert hat bis zum Tag des Spatenstiches, aber die Vorarbeiten seien aufwändig für ein Projekt dieser Größenordnung.  Er beschrieb: „Machbarkeitsstudie, das europaweite Ausschreibungsverfahren, Vorplanungen, Umplanungen, Neuplanungen, eine stufenweise Beauftragung der Planer, die Recherche nach Fördermitteln, jeweils die erforderlichen politischen Beschlüsse – nichts war bislang wirklich einfach.“  Daher sei man im Rathaus erleichtert, das erfahrene Büro Harrer Ingenieure aus Karlsruhe an der Seite zu haben. Der Oberbürgermeister richtete ein „dickes Dankeschön“ an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kita Kuhweid, an die Eltern und natürlich auch an die Kinder, die nun schon seit zwei Jahren mit und in einer Containerlösung leben müssen.
KiTa-Leiterin Simone Sass freute sich über den Fortschritt und die kindgerechte Art der Planung.
 
Auch ökologisch auf neuestem Stand
 
Und so kann man sich zunächst die neue Kita Kuhweid vorstellen: Die insgesamt sechs Kita-Gruppen teilen sich in fünf Ü3-Gruppen und eine Krippengruppe auf. Diese befindet sich im Erdgeschoss. Dort, angegliedert an das Foyer, befindet sich ebenso ein Mehrzweckraum, der von allen Gruppen genutzt wird. Die Einrichtung braucht Gruppen-, Schlaf- sowie Intensivräume wie Werkstatt oder Bibliothek. Auch die Inklusion benötigt Platz. Darüber hinaus gibt es Personal- und Konferenzräume für die 24 Mitarbeiter und eine Großküche, die von einem Caterer beliefert wird und auf 110 Mahlzeiten am Tag ausgelegt ist.
Im künftigen Mehrgenerationenhaus steht neben einer Werkstatt, dem „Café für alle“ und dem Mehrzweckraum ein Saal mit einer Kapazität von bis zu 50 Personen zur Verfügung. Diese Nutzungen sollen den erwachsenen Besuchern dienen, aber auch als Quartierszentrum für die Einwohner der Weinheimer Weststadt.
Die Gebäude werden auch ökologisch up to date sein. Sie teilen sich eine intensive Gebäudegründung sowie die Heizung, die mit einer Luft-Wärme-Pumpe betrieben wird. Beide Dächer bekommen Photovoltaik-Anlagen. Der Außenbereich wird ein öffentlich zugänglicher Quartiersmittelpunkt, alte Bäume bleiben erhalten.
Teil des Konzeptes ist: Die Gebäude rücken hier nach vorne an die Kurt-Schuhmacher-Straße, so ist bei ausreichend Außenfläche in einem nächsten Schritt eine wahrscheinlich sechsgeschossige Wohnbebauung möglich, in der soziales Wohnen angeboten wird. Die Stadt strebt dazu die Umsetzung durch einen Investor an, so dass bei Schaffung dringend nötigen Wohnraums zumindest ein Teil des Projektes durch Grundstückseinnahmen refinanziert werden kann. Manuel Just zeigte sich davon überzeugt: „Wenn das alles hier so gelingt wie geplant, und derzeit haben wir keinen Grund, hieran zu zweifeln, dann bauen wir hier nicht nur eine Kita, ein Mehrgenerationenhaus und Sozialwohnungen  - dann bauen wir hier ein Gesellschaftsmodell der Zukunft. Wenn wir ehrlich sind, wissen wir nicht, wie wir in diesem Land in zehn oder 20 Jahren leben. Wie unser Wohlstand noch aussieht, wie und ob unsere Sozialsysteme standhalten. Was wir ahnen, ist, dass es mehr gesellschaftlichen Zusammenhalt braucht. Und dafür soll das Quartier Kuhweid einmal stehen.

(Erstellt am 13. Januar 2026)

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