Die Heimattage als Gesellschaftsmodell
„Gehen wir auf die Suche nach jener positiven Kraft, die uns die Zukunft als eine gemeinsame Herausforderung begreifen lässt, die wir miteinander meistern können.“ Mit Sätzen wie diesen hat Weinheims Oberbürgermeister Manuel Just im Rahmen des traditionellen Neujahrsempfangs am Sonntag in der Stadthalle seine Bürgerinnen und Bürger auf anspruchsvolle Zeiten eingestellt, gleichzeitig aber auch zu hoffnungsvollem und zukunftsorientiertem Handeln motiviert.
„Wir müssen dazu die Solidarität und das Gemeinschaftsgefühl wiederfinden. Wir müssen wieder an uns glauben lernen“, appellierte der Rathaus-Chef in seiner Neujahrsansprache.
Der Neujahrsempfang und auch die Botschaft des OB stand noch ganz im Zeichen der Heimattage Baden-Württemberg, die nun offiziell abgeschlossen sind. Manuel Just blickte nicht nur mit einem positiven Resumée auf die Heimattage zurück. Angesichts einer schwierigen Lage für die Kommunen, das Land und die ganze Welt, empfahl er die Art, wie Weinheim die Heimattage umgesetzt hat, als ein Gesellschaftsmodell. Just: „Wir haben gezeigt, wie man gemeinsam, konstruktiv und mit breiter Brust – auch bei unterschiedlichen Meinungen – Projekte angehen kann.“
„Heimat ist ein Gefühl hat die Herzen erreicht“
Denn: Die Heimattage, so der OB, haben dieses Jahr Menschen zusammengebracht und gleichzeitig eine neue Identifikation entfacht. Das Motto „Heimat ist ein Gefühl“ habe die Herzen erreicht. Just: „Die Heimattage sind spürbar zu einem gemeinschaftlichen Lebensmotto der Bürgerinnen und Bürger geworden – dafür möchte ich Ihnen allen nochmals ein herzliches Dankeschön aussprechen!“
Er konstatierte, dass von diesen Heimattagen etwas zurückbleibt in Weinheim – Projekte und Aktionen, welche die Stadt als Stadtgesellschaft nachhaltig voranbringen, von denen man noch in Jahren und Jahrzehnten sagen kann: Das ist etwas, das im Jahr der Heimattage entstanden ist.
Was die großen Veranstaltungen angeht, habe sich der Blick vieler Menschen im ganzen Land auf Weinheim deutlich geschärft. Die Wertschöpfung dazu sei sicherlich erst in einiger Zeit so richtig messbar.
Die Neujahrsansprache bildete wieder den politischen Teil des Neujahrsempfangs, der aber auch von kulturellen und traditionellen Programmpunkten geprägt war. Wie immer spielte die Karnevalsgesellschaft Weinheimer Blüten wieder eine wichtige Rolle. OB Just übergab symbolisch den Rathausschlüssel an Blütenprinzessin Katharina II. und den Blütenpräsidenten Andreas Kränzle. Die „Blüten“ hatten mit ihrer Garde zu den Klängen der Weinheimer Stadtverwaltung die festliche Veranstaltung eröffnet. Der Kammerchor Weinheim unter Leitung von Norbert Thiemel trug verschiedene Lieder vor, darunter auch die selbst komponierte Weinheim Hymne mit dem Text von Manfred Maser.
„Brücken bauen statt Mauern“
Die Vertreter der Weinheimer Handwerksinnungen überreichten wieder ihre Gaben an den OB, allen voran Stadtrat Helge Eidt als Obermeister der Weinheimer Handwerker. Er bezeichnete das Handwerk als das Rückgrat der Gesellschaft und Garant für wirtschaftliche Stabilität, aber auch für Fortschritt und Innovation.
Die Lützelsachsener Winzerkönigin Amely Stevens begrüßte die Gäste gemeinsam mit ihren Prinzessinen Katrin Roschlaub und Roxana Margarit Puri. Auch sie sprach ein Gesellschaftsmodell an, bei dem Vielfalt als Bereicherung einer Stadt betrachtet wird und betonte: „Wenn wir Brücken bauen statt Mauern, dann können wir die Zukunft gestalten.“
Oberbürgermeister Manuel Just spannte in seiner Ansprache auch den Bogen von der Weltpolitik und den Ereignissen, die sich auch bis auf die kommunale Ebene auswirken – vor allem durch die kommunale Finanzkrise, die auch Weinheim nicht verschont bleibt.
„Mehr denn je ist es erforderlich, dass Bund und Land die Kommunen finanziell auskömmlich ausstatten und aufhören immer und immer wieder neue Leistungsversprechen abzugeben, welche die Ebene, auf der sie erfüllt werden sollen, überfordern“, so der Rathauschef.
Auf Weinheim bezogen, erklärte er: „Wenn wir es in den nächsten ein bis zwei Jahren nicht schaffen, im Haushalt der Stadt Weinheim strukturelle Einsparungen vorzunehmen, dann werden wir – wie andere Städte der Region auch – diese Einsparungen von außen aufoktruiert bekommen.“ Schlimmstenfalls müsse man so das Heft des Handelns aus der Hand geben. Das könne und dürfe aber nicht das Ziel sein.
„Lassen Sie uns lieber gemeinsam entscheiden, für was wir unser knapper werdendes Geld ausgeben wollen, lassen Sie uns lieber gemeinsam Aufgaben, Leistungen und Projekte priorisieren, bevor es andere für uns tun, auch wenn dies keinesfalls leichtfallen wird“, schlug Just vor.
„Aussitzen ist keine Option“
Die nun bevorstehenden Diskussionen über Einsparungen seien nicht einfach, so der OB, umso mehr wünsche ich er sich dabei „vor allem gegenseitiges Verständnis und Respekt sowie Offenheit statt einer reflexartigen Verteidigung von Pfründen“.
Just setzte sich durchaus auch kritisch mit Interessensvertretungen in der Stadt auseinander und erklärte: „Dieser Stadt ist eine kontroverse Auseinandersetzung bei politischen Prozessen vielleicht immanenter als anderen Kommunen unserer Region. Hierfür sind wir bekannt – man könnte fast schon sagen hierfür sind wir berühmt – und berüchtigt.“ Dies stelle an Verwaltung und Gemeinderat immer und immer wieder immens hohe Anforderungen. Das mache die kommunalpolitische Arbeit anspruchsvoll. Aber, so Just: „Ich darf Ihnen versichern, wir packen die Themen an, denn aussitzen ist für Weinheim noch niemals eine Option gewesen.“
In den Foyers der Halle, wo sich die Besucher nach dem offiziellen Teil zum Umtrunk trafen, nutzten etliche Vereine die Gelegenheit, sich zu präsentieren.
Die Neujahrsansprache des OB im Wortlaut:


