Künstliche Intelligenz – echter Rassismus
Workshop des Stadtjugendrings Weinheim e.V. beleuchtet Schnittstelle zwischen gesellschaftlichem Rassismus und KI-Technologie
Während den „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ bot der Stadtjugendring Weinheim einen Workshop zum Thema „Rassismus & Künstliche Intelligenz" an. Organisiert von Sigi Groß und Jonas Wichert, Mitarbeitende des Stadtjugendrings Weinheim e.V., nahmen Jugendliche im Alter von 13 bis 20 Jahren teil. Die Veranstaltung verband persönliche Erfahrungsräume mit kritischer Technologieanalyse – und hinterließ bleibende Eindrücke.Den Einstieg bildete eine Sensibilisierungsphase: Die Teilnehmenden erarbeiteten gemeinsam Definitionen verschiedener Rassismus-Formen und sammelten konkrete Beispiele aus ihrem Alltag. Der anschließende offene Dialog über selbst erlebte oder beobachtete Diskriminierung berührte tief. Trotz massiver Hindernisse zeigen die Jugendlichen beeindruckende Resilienz – sie versuchen unermüdlich, selbstbewusst ihre individuellen Ziele zu erreichen und sich gegen privilegiertere Gleichaltrige zu behaupten.Sigi Groß: „Besonders erschreckend für uns Pädagoginnen ist die berichtete Häufigkeit und Intensität erlebter alltagsrassistischer Erfahrungen auch schon der jüngsten Teilnehmenden“.Auf die Frage hin, ob auch er solche Erlebnisse hatte, antwortet ein junger Erwachsener:„Oje, wo soll ich da anfangen?“Darauf aufbauend, stiegen die Teilnehmenden in die praktische Arbeit mit KI-Tools ein. Mithilfe eines eigens erstellten Online-Leitfadens – entwickelt mit Gemini und Manus AI – und auf privaten Smartphones sowie Tablets des Stadtjugendrings arbeiteten die Jugendlichen mit Large Language Models und Bildgeneratoren. Die zuvor besprochenen Erfahrungen galt es in Prompts zu übersetzen und zu beobachten, wie KI-Systeme diese verarbeiten.Die kritische Analyse der generierten Inhalte legte den algorithmischen „Bias“ der Modelle schonungslos offen. Bias beschreibt eine bewusste oder unbewusste Tendenz, Informationen, Personen oder Gruppen unfair zu bewerten oder zu bevorzugen, stellten Sigi Groß und Jonas Wichert dar. Die Diskrepanz zwischen den persönlichen, vielschichtigen Berichten der Jugendlichen und den klischeehaften Darstellungen der KI-Bildgeneratoren mache die Gefahren technologischer Diskriminierung unmittelbar erfahrbar. Intensiv diskutierten die Teilnehmenden: Ist KI wirklich „intelligent" – oder kaut sie lediglich menschliche Vorurteile aus ihren Trainingsdaten?Drei zentrale Erkenntnisse der Teilnehmenden wurden dabei klar: KI ist nicht neutral: Algorithmen übernehmen die Vorurteile ihrer Schöpfer und der Gesellschaft.Die Qualität und Reflexion der eigenen Eingabe entscheidet darüber, ob Klischees reproduziert oder gebrochen werden. Und Digitale Mündigkeit: Ein kritisches Verständnis von Algorithmen ist essenziell für demokratische Teilhabe in einer digitalisierten Welt.„Der Workshop war ein voller Erfolg. Die Teilnehmenden forderten explizit eine Fortsetzung ähnlicher Formate und mehr geschützte Räume für den Austausch über komplexe gesellschaftliche Themen“, so lautete die Bilanz von Stadtjugendring-Geschäftsführer Martin Wetzel.
