„Es geht um gut verständliche Infos“
Interview mit der Wärmepumpen- und Energieexpertin Anja Floetenmeyer-Woltmann zur Veranstaltung „Weinheim heizt vor“ am 21. April in Weinheim
Wie heize ich künftig mein Haus oder meine Wohnung in Anbetracht von knapper, teurer und aus Klimaschutzgründen unzulässiger fossiler Brennstoffe? Solardächer, Wärmepumpen, Geothermie, individuelle Lösungen – aber was ist das Richtige für mich und meine Immobilie? Das fragen sich im Moment alle Haus- und Wohnungsbesitzer. Fragen über Fragen.Die Antworten gibt es auf einer Veranstaltung des Weinheimer Klimaschutzteams am Dienstag, 21. April, in der Weinheimer Stadthalle von 16 Uhr bis 20.30 Uhr. Unter dem Motto „Weinheim heizt vor“ ist die mehrstündige Info-Veranstaltung bei freiem Eintritt (und Sonderangeboten) eine Mischung zwischen Vortrags-Veranstaltung und Handwerkermesse. Im Vorfeld der Veranstaltung haben wir ein Interview geführt mit Anja Floetenmeyer-Woltmann, sie ist eine der profiliertesten Stimmen zur praktischen Umsetzung der Wärmewende in Deutschland. Sie betreut bundesweit Wärmepumpen-Infotage. Bei „Weinheim heizt vor“ am 21. April wird sie die Moderatorin sein und selbst einen Vortrag halten zum Thema „Wärmepumpe im Altbau“. Wann und warum haben Sie mit den Wärmepumpen-Infotagen angefangen?Anja Floetenmeyer-Woltmann: „Ich mache seit Beginn des russischen Angriffskriegs regelmäßig groß angelegte Wärmepumpen-Informationsveranstaltungen. Damals war ich Geschäftsführerin der Klimaschutzagentur Region Hannover und habe Bürgerinnen und Bürger der 21 Regionskommunen in hunderten Veranstaltungen informiert. Die Wärmepumpen-Infotage sind die bundesweite Weiterentwicklung dieser Arbeit: kommunal verankert, herstellerneutral und darauf ausgelegt, Menschen in reale Entscheidungsfähigkeit zu bringen.“ Wie viele Leute haben die Infotage besucht?„Allein in den letzten drei Monaten habe ich bei Wärmepumpen-Infotagen vor mehr als 5000 Menschen gesprochen. Die Veranstaltungen sind durchgehend sehr voll oder mit bis zu 1000 Leuten ausgebucht, es kommen im Durchschnitt mehr als 600 Leute. Damit sind die Wärmepumpen-Infotage derzeit die größte Informationsreihe zum Heizungstausch nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa.“ Was sind die größten Vorbehalte, die Ihnen begegnet sind, und wie haben die sich entwickelt seit dem Streit ums sogenannte Heizungsgesetz?Die größten Vorbehalte richten sich nicht gegen die Technologie, sondern gegen mögliche Fehlentscheidungen. Menschen sorgen sich um Kosten, verstehen die Fördermittel nicht, haben Fragen zur Energiepreisentwicklung. Sie wissen nicht, ob ihr Haus tauglich ist und an wen sie sich überhaupt wenden können. Der Streit ums Heizungsgesetz hat diese Unsicherheit verstärkt. Gleichzeitig zeigt sich: Sobald diese Punkte verständlich eingeordnet sind, ist die Handlungsbereitschaft herausragend. Woher weiß ich das? Ich evaluiere alle Termine und nach einem Wärmepumpen-Infotag nehmen sich die Leute praktisch alle vor, das Thema jetzt anzugehen (89 Prozent) und nehmen sich sogar im Schnitt nicht nur einen, sondern die ersten konkreten drei Schritte vor. Was beobachten Sie, seitdem sich der Rauch dieses Streits verzogen hat?Die Grundsatzfrage „ob Wärmepumpe“ stellt kaum noch jemand. Fast alle fragen heute: „Wie mache ich das konkret bei mir?“ Genau in diesem Moment setzen die Wärmepumpen-Infotage an – wo Menschen die eigene Unsicherheit bei diesem für alle brandneuen Thema spüren, bieten wir gut verständliche nüchterne Informationen.
